Details

10.03.2016

Verband krempelt Vermarktung um

Der Schweizer Skiverband Swiss-Ski wird die Sponsorships seiner Weltcup-Events im Ski Alpin und Skispringen künftig selbst vermarkten. Damit verliert der Vermarkter Infront eines seiner wichtigsten Mandate im Wintersport. Was ist passiert?

Ab der Saison 2016/17 wird Swiss-Ski die Sponsoringrechte seiner Weltcup-Events selbst vermarkten. Infront verliert damit einen wichtigen Eckpfeiler seines kollektiven Sponsoringkonzepts im Ski-Alpin-Weltcup. Dieses fußt darauf, knapp zwei Drittel der gesamten Weltcuprechte an einige wenige Unternehmen zu verkaufen. In diesem Konzept fehlen nun einige der stärksten Rennen. Denn in dieser Saison gehören Alpin-Rennen in Adelboden, Crans-Montana, Lenzerheide, St. Moritz und Wengen sowie das Weltcup-Springen in Engelberg zu den Schweizer Weltcup-Events.

Laut Stefan Brütsch, der ehemalige Direktor Marketing und stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsleitung von Swiss-Ski, der Anfang Februar ausgeschieden ist, hatte kurz vorher noch gegenüber SPONSORS betont, dass es keine Entscheidung gegen Infront, sondern eine für ein neues Modell mit einer eigenen Vermarktung war. Doch welche Zielsetzung steckt dahinter?

 

SWISS-SKI TRENNT SICH VON MARKETINGLEITER BRÜTSCH

Swiss-Ski trennt sich überaschend per sofort von seinem Marketingchef Stefan Brütsch. Der Schweizer war mehr als acht Jahre lang für den Schweizer Skiverband tätig.

 

Garantien der Verbandssponsoren

Einige Experten sagen, es lag am Geld – wie eigentlich immer in der Sportvermarktung. So sollen die Schweizer Weltcup-Organisationskomitees, an die die Vermarktungseinnahmen der Event-Sponsorships zu 100 Prozent fließen, höhere Einnahmen gefordert haben. Infront war offenbar aber nicht bereit, mehr zu bezahlen, sodass der Deal platzte.

Am Ende soll sich Swiss-Ski auch für eine Eigenvermarktung entschieden haben, weil die Verbandssponsoren von Swiss-Ski, nämlich BKW, Helvetia, Raiffeisen und Swisscom, Garantieleistungen in das neue Eigenvermarktungsmodell einbringen. Sollte es Swiss-Ski also nicht schaffen, seine Weltcup-Sponsorships komplett zu vermarkten, würden die Verbandssponsoren im Notfall einspringen.

Vorteil für Swiss-Ski: Der Verband und seine OKs sind damit abgesichert und bekommen durch diese Garantien vielleicht sogar mehr Geld als bislang.

Vorteil für die Verbandssponsoren: Sie haben Ersteinbuchungsrechte und können sich ihre gewünschten Werbeflächen als Erste aussuchen. Die übrigen Sponsorships, und somit die Mehrheit der Werbeflächen, werden an andere interessierte Unternehmen verkauft. So der Plan.

Doch das sind offenbar nicht die einzigen Gründe, warum sich der Schweizer Skiverband am Ende für eine Eigenvermarktung entschieden hat. So soll Verbandssponsor Raiffeisen sein Veto gegen eine Verlängerung des Vermarktungsvertrags mit Infront eingelegt haben. Wohl deshalb, weil Infront derzeit plant, einen neuen Großsponsor breitflächig in den Wintersport zu holen und in sein bestehendes kollektives Vermarktungsmodell im alpinen Ski-Weltcup einzubinden. Dabei soll es sich um die Schweizer Großbank UBS handeln.

Entspricht dies der Wahrheit, so erscheint das Veto von Raiffeisen nachvollziehbar. Mit Infront als Vermarkter hätte das Kreditinstitut einem Konkurrenten bei den Schweizer Heimrennen den Vortritt lassen müssen. Und genau das wollte Raiffeisen verhindern.

Vermarkter und Verband wollten diese Version nicht bestätigen. Von Infront heißt es: „Wir bedauern diesen Entscheid." Man wolle „im Sinne des Skisports und seiner Partner“ aber „auch künftig eine gute Zusammenarbeit mit Swiss-Ski pflegen". Und: Man stehe auch ohne die Schweizer Rechte „unverändert hinter dem kollektiven Vermarktungsansatz“ und werde den „Partnern auch weiterhin eine hohe und individuell gestaltete Präsenz im FIS Ski-Weltcup über die gesamte Saison anbieten“. Dies dürfte ohne die Schweizer, ohne die deutschen (Lagardère Sports) und ohne die österreichischen Vermarktungsrechte (Eigenvermarktung/WWP) aber schwieriger werden.

 

VERMARKTUNG FIS WELTCUP

VERFAHREN

Ein neues Produkt soll die Attraktivität der vermeintlich zukunftsträchtigen Funsport­arten Freestyle und Snowboard erhöhen und damit das Interesse von Zuschauern, ­Medien und Sponsoren steigern. Das Projekt zeigt aber auch, wie verfahren die Strukturen im FIS Weltcup sind und wie schwierig es ist, Verbände, Agenturen und Sender im heterogenen Wintersport auf einen Nenner zu bringen. Ein Einblick mit Lösungsansätzen.

 

Vakante Medienrechte

Zwischen Infront und Swiss-Ski gibt es jedoch noch weitere Verbindungen – wenn auch nicht unmittelbar. Swiss-Ski verkauft seit Jahren seine Medienrechte (national und international) an die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, kurz SRG. Während die Rundfunkanstalt die nationalen Übertragungsrechte ähnlich wie die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland selbst nutzt, verkaufte sie die Auslandsrechte in den vergangenen Jahren stets an Infront weiter, der sie an internationale Medien vermittelt – in Deutschland zum Beispiel an ARD und ZDF.

Der Schweizer Skiverband hat dagegen bislang wenig Handhabe. Wie in vielen Verträgen von Infront hat der Vermarkter nämlich auch in seinen Deals mit dem SRG ein sogenanntes „Matching-Offer-Right“. Damit hat Infront das Recht, als Erstes ein Angebot abzugeben. Ein solcher Passus soll auch zwischen SRG und Swiss-Ski fixiert sein. Weil sowohl Infront als auch die SRG ihre Erstverhandlungsrechte stets nutzten, kam es in den vergangenen Jahren stets zur Dreieckskonstellation mit Swiss-Ski, SRG und Infront.

Zum Ende der Saison 2015/16 laufen die Medienverträge nun aus. Ob diese auch künftig Bestand haben werden, wird derzeit verhandelt – Ausgang ungewiss. Wobei das Schweizer Ski-Business derzeit für Überraschungen gut zu sein scheint.

 

Quellenangabe SPONSORs